„Sport erzeugt eine positive Aufwärtsspriale“
Elisabeth Oberhauser (l.) und Marlene Madlmayr nehmen beim Salzburger Frauenlauf die 10 Kilometer in Angriff.
17. Jun 2015

„Sport erzeugt eine positive Aufwärtsspriale“

In ihrer Arbeit mit Patientinnen und Patienten an der Christian Doppler Klinik in Salzburg beobachten Marlene Madlmayr und Elisabeth Oberhauser täglich, welch positive Wirkung regelmäßige Bewegung auf Menschen hat, denen es nicht so gut geht und die eine schwierige Phase ihres Lebens durchschreiten.


Positive Stimmung

„Sport als Ausgleich ist wichtig für alle Menschen quer durch die Gesellschaft“, weiß Marlene. Die 26-jährige Oberösterreicherin arbeitet seit einigen Monaten mit Patienten zusammen, die an psychischen Störungen wie Depressionen oder Schizophrenie leiden. Für diese Menschen hat Sport eine noch größere Bedeutung, denn Sport stellt ein wesentliches Element der psychiatrischen Betreuung dar. „Bewegung sorgt für Hormonausschüttungen im Körper und als deren Folge für Glücksgefühle und positive Stimmung. Außerdem fördert Sport, wenn man ihn gemeinsam mit anderen Menschen ausübt, soziale Kontakte. Es greifen mehrere Rädchen ineinander, die eine positive Aufwärtsspirale bilden, die der negativen Abwärtsspirale einer Depression entgegen wirkt“, erklärt die junge Psychologin. An der Christian Doppler Klinik ist Sport in ein fixes Programms integriert, welches die Patienten täglich absolvieren. Morgendliche Gymnastik und Koordinationsübungen gehören ebenfalls dazu wie Spaziergänge, Ballsportarten oder Slacklining. Bei all diesen Aktivitäten ist es wichtig, dass die Psychologinnen ihre Patientinnen nicht nur unterstützten, sondern sie auch aktiv motivieren und teilweise selbst die Initiative übernehmen.


Laufen im Beruf entdeckt

Genau auf diese Art und Weise ist Elisabeth Oberhauser zum Laufen gekommen: Als sie vor Jahren ein Praktikum an einer Klinik in München absolvierte, betreute die Bayerin einen schizophrenen, jungen Patienten. Während der Therapie begleitete sie ihn regelmäßig beim Laufen und fand dabei selbst Gefallen an dieser Sportart. Seither schnürt die 29-Jährige, die früher im Verein Volleyball gespielt hat, regelmäßig ihre Laufschuhe.


Sport Teil eines angemessenen Lebensstils

Seit knapp zwei Jahren arbeitet die gebürtige Landshuterin beruflich mit Patienten, die sich einer Suchttherapie unterziehen. „Im Prozess zwischen Sucht und Abstinenz sucht ein Patient nach Ersatz für ein Verlangen, das gestillt werden muss. Und da bietet sich Sport hervorragend an. Denn Bewegung erzeugt Freude und motiviert, selbst fähig zu sein, sich Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen“, erklärt Elisabeth. Sport stellt für ihre Patientinnen nicht nur eine ablenkende Aktivität dar, sondern eine sinnvolle Beschäftigung, die einen großen mentalen Nutzen erzeugt. Dieser ist noch wichtiger als der körperliche und bedeutet einen großen Schritt innerhalb der Therapie. „Der Knackpunkt, warum viele Menschen in eine Sucht verfallen, ist, dass sie einen angemessenen Lebensstil nicht nachgekommen sind. Unser Ziel lautet also, einen angemessenen Lebensstil wieder herzustellen. Und Sport ist ein wichtiger Teil davon“, betont Elisabeth. Patienten treten dem Vorschlag, Sport zu betreiben grundsätzlich positiv entgegen, allerdings müssen sie aktiv motiviert werden, damit es auch zur Umsetzung kommt. „Da ist es wichtig, dass sportliche Aktivitäten im Rahmen des klinischen Aufenthalts organisiert werden und den Patienten die positiven Auswirkungen von Bewegung ständig vor Augen geführt wird.“


Gemeinsam am Start des Salzburger Frauenlauf

Magdalena und Elisabeth haben beide das Studium der Psychologie in Salzburg absolviert und üben in ihrer Freizeit regelmäßig Sport aus. Einmal pro Woche treffen sich die beiden Arbeitskolleginnen zu einer gemeinsamen Laufrunde, individuell schnüren die beiden öfters die Laufschuhe. „Durch das gemeinsame Laufen haben wir uns besser kennengelernt als bei der Arbeit, wo wir uns hin und wieder über den Weg laufen. Und das gemeinsame Laufen macht uns sehr viel Spaß“, erzählt Elisabeth. Beim Salzburger Frauenlauf 2015 werden die beiden auch gemeinsam auf die Laufstrecke gehen und am 10km-Lauf teilnehmen.