Bewegung senkt Krebsrisiko deutlich

Mag. Stephan Spiegel beim Salzburger Frauenlauf 2019. © Salzburger Frauenlauf / Salzburg Cityguide

Bewegung senkt Krebsrisiko deutlich

„Bleiben Sie in Bewegung!“ Diese Botschaft kommuniziert die Österreichische Krebshilfe mit gutem Grund offensiv. Sportliche Aktivität kann das Risiko, an Krebs zu erkranken erheblich senken und in der Therapie einen wichtigen Schritt zur Genesung setzen.


Sportliche Betätigung ist längst ein wesentliches Element in der Krebstherapie. Und zwar sowohl aufgrund der Verbesserungen im körperlichen als auch psychischen Befinden. Aber sie ist auch bedeutend in der Prävention. Über einen langen Zeitraum ausgeführt, im Idealfall ein Leben lang, bildet sie als eine von mehreren wichtigen Komponenten, die am besten in Kombination mit anderen Faktoren eines gesunden Lebensstils bewirken, dass Rahmenbedingungen für den eigenen Körper geschaffen werden, die die Bekämpfung von Krebszellen so lange und optimal wie möglich zulassen. Und damit eine Krebserkrankung, immer auf eine multifaktorelle Entwicklung zurückzuführen, zu verhindern.

Mag. Stephan Spiegel, Geschäftsführer der Österreichischen Krebshilfe in Salzburg, erklärt: „Normalerweise beseitigt das Immunsystem die Zellen mit falscher Erbinformation, die Krebs auslösen können. Je älter oder schwächer ein Immunsystem ist, desto größer ist die Herausforderung, den Körper vor diesen Krebszellen zu schützen.“ Die Conclusio: Wer seinen Körper durch einen gesunden Lebensstil nachhaltig pflegt, hat ein reduziertes Krebsrisiko. Wer bei Faktoren eines ungesunden Lebensstils zusätzlich ein bestimmtes Alter aufweist, hat höheres Risiko.


Krebs: ein Volksleiden

21.261 Menschen sind in Österreich im Jahr 2017 an einer Krebserkrankung verstorben. Über 41.000 Menschen haben im selben Zeitraum die Diagnose Krebs erhalten (vgl. Statistik Austria). Diese Daten haben ihren Ursprung am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität in Wien. Sie hinterlassen Eindruck und tiefe Spuren in der Volksgesundheit!

Seit vielen Jahren wird Krebs epidemiologisch erforscht. Schließlich ist laut Statistik Austria einer von vier Todesfälle in Österreich auf eine Krebserkrankung zurückzuführen. Nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in der Schreckensliste der Todesursachen unangefochten vor dem Krebs, Atemwegserkrankungen lagen selbst 2020 weit hinter dem Krebs auf Platz drei.

Wissenschaftliche Fortschritte im Therapiewissen und in der Präventionsstrategie sind extrem wertvoll, nicht nur im individuellen Krankheitsfall, sondern gesamtgesellschaftlich. Und sie wirken, denn die Mortalitätszahlen durch Krebserkrankungen sind seit Jahren leicht rückläufig. Sportliche Bewegung als Teil eines gesunden Lebensstils ist eine wichtige Teilstrategie.


Bewegung aus Lust, nicht aus Angst

In Präventionskampagnen stößt die Österreichische Krebshilfe aber immer wieder an Grenzen. „Bei Menschen, die sportlich sind, ist sehr wohl verankert, dass Bewegung in der Prävention eines gesamtgesundheitlichen Effekt hat. Dazu kommen die psychischen Vorteile durch Stressabbau und Ausgeglichenheit“, erklärt Spiegel. „Ein Großteil der anderen aber konsumiert den Rat zu mehr Bewegung in Assoziation mit der Vorstellung einer eventuell auftretenden Krankheit und die damit verbundenen Ängste.“ Und da verliert die Präventionsüberzeugung oft ihre Wirkung. „Insgeheim wissen die meisten, dass Bewegung ihnen gut täte. Aber dieses psychologische Momentum, über seinen Schatten zu springen, bedeutet oft eine relativ hohe Hürde.“ Die Animation zu einer Änderung des Lebensstils aus dem Prinzip der Lust auf sportliche Aktivitäten, die Spaß machen, verspreche mehr Erfolge als eine aus dem Angstzugang.

Erstaunlicherweise ist die geschilderte Hürde im Krankheitsfall selten niedriger. Spiegel erzählt, dass zu einem sehr hohen Anteil nur Patientinnen und Patienten, die vor der Erkrankung sportlich aktiv waren, gezielte Bewegungsangebote als Teil der Behandlung in Anspruch nehmen. Die wenigen Ausnahmen müssen doppelt starken Willen an den Tag legen, weil sie sich in einer Phase der fehlenden Kräfte und eines in Mitleidenschaft gezogenen Körpers zu Bewegung motivieren müssen. „Das ist ein sehr großer Schritt. Diejenigen, die es schaffen und eine innere Überzeugung gegenüber Bewegung entwickeln, erfahren einen sehr hohen Effekt.“


Bewegung erzielt gute Wirkung bei Brustkrebs

Die wissenschaftliche Datenlage zum Kausalzusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und niedrigerem Risiko an Krebs zu erkranken, ist eindeutig, weil in diversen internationalen Studienerkenntnissen dargestellt. Am effektivsten wirkt ein sportliches Leben auf die Risikoreduktion, an Darmkrebs und Brustkrebs zu erkranken. Das Deutsche Krebsforschungszentrum schätzt unter Berufung auf Experten, dass im Jahr 2018 rund 6% der Krebsneuerkrankungen direkt auf zu geringe körperliche Aktivität zurückzuführen ist. Umgemünzt auf die oben stehenden Zahlen für Österreich wären das allein knapp 2.500 Fälle jährlich.

Brustkrebs ist in der heutigen Zeit eine massive gesundheitliche Bedrohung für Frauen, die bei frühem Entdecken abgedämpft werden kann. In Österreich wird jede achte Frau im Laufe ihres Lebens mit dieser Diagnose konfrontiert. Daher hat die Österreichische Krebshilfe auf diese Zielgruppe in der Prävention ein besonderes Auge und propagiert einen sportlich aktiven Lebensstil.

Bereits vor zwölf Jahren ist eine treue Partnerschaft zwischen der Österreichischen Krebshilfe in Salzburg und der Bewegungsaktion „Frau läuft!“ rund um den Salzburger Frauenlauf entstanden. Sie lebt nach Beendigung der Pandemiepause für Laufevents mit dem Salzburger Frauenlauf im Rahmen des Lauf.Sport.Fest.Salzburg am 1. Oktober wieder auf. Seither werden die positiven Auswirkungen von regelmäßiger Bewegung, wie die Ausdauersportarten Laufen und Walken, auf die gesundheitliche Lebensentwicklung junger und älterer Frauen betont und Charity-Initiativen zugunsten betroffener Personen gezielt unterstützt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Lauf- und Sportevents, die Bewusstsein schaffen und karitativ unterstützen. Die Medizinische Universität Wien hat sogar einen Krebsforschungslauf ins Leben gerufen.


Bewegung als Medikament

Auch in der direkten Krebstherapie sind die positiven Auswirkungen von regelmäßiger Bewegung im direkten Kausalzusammenhang gut erforscht. Die bei Bewegung ausgeschütteten Hormone, die zu einer Regulierung der Hormonwelt beitragen, die bessere Blutversorgung der Organe, die Reduktion von Entzündungswerten, die Stärkung des körpereigenen Immunsystems und die Verbesserung des geistigen Zustands sowohl im positiven Sinne als auch in der Linderung psychischer Begleitprobleme wie Depressivität wirken direkt positiv auf den Therapieverlauf ein.

Die Deutsche Krebsgesellschaft formuliert in einem Online-Artikel vom August 2018, dass es – bei Verhinderung einer Überlastung – „einen direkten Zusammenhang zwischen der Menge an Sport und der Anti-Krebs-Wirkung gibt: Je mehr Bewegung, desto größer der Effekt.“ Viele Mediziner sehen sportliche Bewegung längst als gleichbedeutend mit medikamentösen Strategien im Therapieprozess – als eine Strategie ohne bekannte Risiken eines Rückfalls im Krankheitsbild. Der den wünschenswerten Effekt einer Steigerung der individuellen Lebensqualität und des Wohlbefindens ansteuert. (vgl. krebsinformationsdienst.de)

In der Krebsprävention sei durch den generellen Bewegungsverlust in der Gesellschaft in Teilzeiten der Pandemie ein wichtiger Baustein weggebrochen, gibt Spiegel zu bedenken. Und dann gibt es noch jene Gruppe Menschen, die ein Krebsleiden überstanden haben. Auch für sie ist regelmäßige Bewegung, mehrmals pro Woche im moderaten Bereich, eine wichtige Empfehlung. Denn Studien erkennen auch in dieser Phase wesentliche physiologische und psychosoziale Mehrwerte.


Dieser Text erschien in etwas längerer Version im Frühjahr 2021 auf der Website des Laufmagazins RunUp